Facebook und seine Fans in der Kritik
Mit über 20 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland ist Facebook noch immer die größte Social Media Plattform. Doch schon seit Jahren stehen der Konzern und seine Politik in der Kritik: Es hagelt Datenschutzvorwürfe und es gelangen laufend neue Skandale an die Öffentlichkeit. Mit zunehmender Popularität der Plattform gerade für Unternehmen steigt auch die Kritik. Durch fragwürdige Angebote für gekaufte Fans und anderen Manipulationen beginnt ein unlauterer Wettbewerb, der zeigt: Fanzahlen sind nicht immer aussagekräftig und eine große Anzahl Fans verspricht nicht immer Erfolg. Was steckt hinter den Vorwürfen und können Unternehmen dennoch Facebook effektiv für sich nutzen?
Gekaufte Fans bei Facebook
Seit Unternehmen mit sogenannten Fanseiten für sich werben und dabei natürlich durch eine möglichst hohe Anzahl an Fans ihre Popularität demonstrieren möchten, treten Anbieter auf, die Facebook-Fans verkaufen und Facebook-Nutzern die Möglichkeit geben, sich Cent-Beträge dazuzuverdienen, indem sie Fan einer bestimmten Seite werden. Sogar bei eBay kann man Fanpakete zu Schnäppchenpreisen kaufen. Laut Werben und Verkaufen machen dabei auch große Unternehmen wie Nokia mit. Dass damit der Wettbewerb verzerrt ist, ist eindeutig. Einen wirklichen Nutzen tragen Unternehmen abgesehen von der höheren Anzahl Fans nicht davon. Letztendlich ist schließlich nicht die quantitative Zahl der Fans von Bedeutung, sondern die Qualität und so können 1.000 echte und interessierte Fans einen viel größeren Erfolg bringen als 10.000 gekaufte, die sich mit dem Unternehmen nicht auseinandersetzen und an den Produkten kein Interesse zeigen.
Facebook und der Datenschutz: der BigBrotherAward 2011
Dass Facebook es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt und der Nutzer sehr genau aufpassen und die richtigen Häkchen an der passenden Stelle entfernen muss, um sich zu schützen, ist nichts Neues. In logischer Konsequenz geht daher der BigBrotherAward in der Kategorie Kommunikation in diesem Jahr an Facebook. Kritisiert wird, dass Facebook eine fast unüberschaubare Datenmenge über seine Nutzer speichert – natürlich mit deren Einverständnis, denn wer liest sich einen rund 50.000 Zeichen langen Text über Geschäftsbedingungen und Datenschutzerläuterungen durch? Darüber hinaus ändert Facebook regelmäßig die Datenschutzvoreinstellungen und zwingt besorgte Nutzer dazu, permanent zu überwachen, ob eine Funktion deaktiviert werden muss, damit keine sensiblen privaten Daten freigegeben werden. Neue Funktionen wie der „Freundefinder“ rufen Datenschützer auf die Barrikaden und werden doch von einer große Nutzergemeinde verwendet: Dabei können Nutzer komplette Adressbücher aus ihren E-Mail-Postfächer importieren, um Freunde zu finden. Dass diese Funktion ohne Einstimmung der Beteiligten – der im Adressbuch gespeicherten – geschieht, interessiert Facebook wenig. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) klagte im November 2010 wegen genau dieser Funktion gegen Facebook. Die Reaktion? Der Freundefinder wird verändert, abgeschaltet wird die Funktion nicht. Auch die Funktion, mit deren Hilfe Nutzer ihren Freunden – und damit auch Facebook – mittteilen, wo sie sich gerade befinden, ist besorgniserregend. Wenn man sich darüber hinaus die Kapitalgeber, die Köpfe hinter Facebook, ansieht, wird schnell klar, wer von den enormen Datenmengen profitiert. Es gibt Verbindungen zu Risikokapitalfirmen – und zum Geheimdienst, für den die Daten sicher sehr aufschlussreich wären. Besorgniserregend ist nicht nur, wie sich Facebook immer unentbehrlicher macht und für viele Nutzer eine der wichtigsten Anlaufstellen und Möglichkeiten des sozialen Austauschs geworden ist, zu denken gibt auch, dass sich so wenig Nutzer kritisch mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen und einem großen Konzern eine so große persönliche Datenmenge zur Verfügung stellt. Wie auf BigBrotherAwards zu lesen ist, gab Mark Zuckerberg selbst einst in einem Chat die Erklärung dafür: „They trust me – dumb fucks.“, auf Deutsch „Sie vertrauen mir, die Idioten.“
Fazit: Der Nutzen von Facebook
Bei all der Kritik stellt sich die berechtigte Frage: sollte ich Facebook überhaupt nutzen oder nicht lieber als Privatperson und auch als Unternehmen einen großen Bogen um die Plattform und ihre fragwürdigen Praktiken machen? Tatsache ist, dass Facebook nach wie vor zu den wichtigsten Plattformen des Social Media Marketings gehört. Professionell betrieben, können Unternehmen aus der direkten Kommunikation mit ihren Fans auf ihrer Fanseite, aber auch aus dem zielgruppenorientierten Facebook Advertising einen großen Nutzen ziehen. Mit zu naiven Erwartungen darf man jedoch an das Thema Social Media nicht herangehen. Christoph Kappes, Unternehmensberater, Blogger und FAZ-Autor fasst es treffend zusammen: eine zu große Fanorientierung kann ein Unternehmen an Glaubwürdigkeit verlieren lassen, nur über den Kundengeschmack darf sich keine Marke definieren. Auch Facebooks starre Gestaltungsmöglichkeiten, die kaum Raum zur Individualität und der Integration des Corporate Design bieten, sind nicht unbedingt förderlich. Letztendlich hängt es vor allem vom Image der Marke selbst und der Professionalität des Facebookauftritts ab, wie viel Erfolg die Plattform dem Unternehmen bringt.
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