Googles +1 Button = Facebook?

Von Axel Zawierucha • Donnerstag, 30. Juni 2011, 10:19 Uhr • Kategorie: Google

Eine von Googles großen Neuerungen in diesem Jahr ist der +1 Button, der zuerst in den USA eingeführt wurde und seit einigen Tagen auch bei google.de verfügbar ist. Mit dem Button zeigt Google einmal mehr, welche Bedeutung Social Media und persönlichen Empfehlungen inzwischen beigemessen werden.

Die Idee: durch einen Klick auf den +1 Button in den Suchergebnissen oder auf Webseiten selbst können Nutzer mit Google-Konto ihren Kontakten eine Webseite empfehlen. Diese Kontakte bekommen anschließend in den Suchergebnissen die Empfehlungen angezeigt. Solche Hinweise sollen dafür sorgen, die Qualität der Suchergebnisse zu erhöhen und Nutzern für sie besonders relevante Ergebnisse hervorzuheben.

Der +1 Button als Antwort auf Facebooks Like-Button

Schon die Idee des +1 Buttons erinnert stark an den Like-Button von Facebook. Google versucht sich also daran, dem größten sozialen Netzwerk Konkurrenz zu machen. Ob das gelingt und der Button angenommen und rege genutzt wird, wird sich in der nächsten Zeit zeigen. +1 Hinweise werden auch für nicht eingeloggte Nutzer angezeigt (in diesem Fall wird nur die Gesamtzahl der +1 Klicks angezeigt und keine Kontaktdaten), jedoch bisher vorrangig für Google-eigene Seiten. Durch diese Maßnahme soll der +1 Button vermutlich bekannter gemacht und zu seiner Benutzung angeregt werden.

Wie Facebook wird der +1 Button auf verschiedenen Googleprodukten wie Youtube, Blogger oder der Shoppingsuche sowie natürlich in den organischen und bezahlten Suchergebnissen eingebunden. Webmaster können den Button außerdem auf der eigenen Webseite einbinden.

Der +1 Button für Webseiten

Der Facebook Like-Button ist auf Webseiten inzwischen weit verbreitet. Auch Google stellt nun ein JavaScript-Snippet zur Verfügung, das auf der eigenen Seite eingebunden werden kann, um einen +1 Button zu generieren. Das Vorgehen macht Sinn: schließlich wird man eine Seite eher empfehlen, die man auch gesehen und gelesen hat. Der Button kann zum Beispiel neben den Social Media, Bookmarking und Facebook Buttons am Ende eines Artikels oder auch neben der Überschrift platziert werden. Grundsätzlich sollten dabei nur Seiten den +1 Button erhalten, die öffentlich zugänglich sind und damit auch von Google gecrawlt werden können.


+1 und SEO

Nach Googles eigener Aussage werden die Daten aus den +1 Buttons als ein Faktor in das Ranking einfließen. Andere Social Media Signale werden schon länger von Google als Kriterium genutzt, mit dem +1 Button kommt ein weiteres hinzu. Die Gewichtung der neuen Daten und ihre Auswertung wird sich aus den ersten Erfahrungswerten ergeben. Für Webseitenbetreiber wichtig zu wissen ist der Umgang mit Inhalten, die über verschiedene URLs erreichbar sind. Wird der canonical-Tag genutzt und Google damit die bevorzugte Seite mitgeteilt, verknüpft Google alle +1 automatisch mit der autorisierten Seite, auch wenn der +1 Button auf einer nicht autorisierten URL geklickt wurde.

Der +1 Button bei Google AdWords

Der +1 Button wird nicht nur für die organischen Suchergebnisse angezeigt. Auch AdWords-Anzeigen erhalten einen solchen Button. Nach Googles eigener Aussage verändert sich die Berechnung des Qualitätsfaktors dadurch nicht. Da für diesen jedoch die Klickrate wichtig ist, könnten sich durch die +1 Buttons dennoch Unterschiede in den Klickpreisen und der Anzeigenposition ergeben. Zielseiten mit vielen +1 Hinweisen werden wahrscheinlich häufiger geklickt werden als Anzeigen ohne Empfehlungen.


Auch organische und bezahlte Anzeigen beeinflussen sich durch den +1  Button gegenseitig. Da die Funktion URL-bezogen gemessen wird, ist es unwichtig, von welcher Quelle der +1 Klick stammt. Dies bedeutet, dass eine Anzeige auch einen +1 erhält, wenn die Zielseite in den organischen Ergebnissen oder auf der Seite selbst durch einen Klick auf den +1 Button empfohlen wurde. Genauso erscheinen Klicks auf die +1 Schaltfläche in Anzeigen in den organischen Suchergebnissen derselben URL.

Auswertung: Der +1 Button und Google Analytics

Bisher können die +1 Klicks auf der eigenen Webseite nicht ausgewertet werden, die Einbindung der Daten in Analytics ist jedoch bereits in Arbeit. Hier sollen geographische und demographische Daten angezeigt werden, die +1 Klicks können nach URL sowie nach Anzeigen, Klicks und Klickrate ausgewertet werden. Aus Datenschutzgründen werden hierbei nur aggregierte Daten angezeigt. Bei sehr geringen Zahlen, die die Anonymität der Nutzer gefährden würden, werden die Zahlen nicht angezeigt. Auswerten können Webmaster die +1 Daten zukünftig neben Analytics in Webmastertools und AdWords. Wann die Daten bereitgestellt werden, ist noch unklar. Bis dahin hilft ein kleiner Trick bei der ersten Auswertung der +1-Klicks.

Kritik am +1 Button

Die Erfahrungswerte mit dem +1 Button sind so kurz nach der Einführung noch recht gering. Dennoch gibt es schon erste Tests. So zeigte sich zum Beispiel eine signifikante Performanceverschlechterung durch den Button. Was vom Facebook Like-Button und anderen Widgets schon länger bekannt ist, gilt auch für den +1 Button. Der Web Performance Optimierer Aaron Peters stellte fest, dass Seiten durch den neuen Button bis zu 2 Sekunden langsamer laden. In Zeiten, in denen Google verstärkt auch die Performance als Rankingkriterium hinzuzieht, ist dieses Problem nicht zu unterschätzen. Google hat sich des Problems angenommen und arbeitet an einem performanteren Button.

Wie bei vielen nutzerbezogenen Neuerungen, die Google einführt, stellt sich auch hier die Frage nach dem Datenschutz. Wenn der Nutzer dies möchte, werden die empfohlenen Webseiten im öffentlichen Nutzerprofil bei Google angezeigt. Darüber hinaus werden die durch den +1 Button entstandenen Daten an Google weitergeleitet und ausgewertet. Die rechtliche Grundlage hiervon bleibt abzuwarten. Möglicherweise liefert die Funktion Googlekritikern wie dem Hamburger Datenschutzbeauftragten, der Google Analytics schon seit Jahren den Kampf angesagt hat, weiteres Futter. Schließlich werden die +1 Daten nutzerbezogen gesammelt und es wird sich zeigen, in welcher Form Google die Informationen anonymisiert.

Ein weiterer Punkt könnte Anlass zur Kritik geben: Die empfohlenen Webseiten werden laut Google allen Personen aus der eigenen Google Mail oder Google Talk Chatliste angezeigt. Darüber hinaus allen Kontakten aus der Google-Kontaktliste sowie Personen, von denen man im Google Reader oder Google Buzz mitliest. So weit ist das Prozedere verständlich. In seinen FAQs gibt Google jedoch auch an, dass Nutzern gelegentlich auch +1 Hinweise von Personen angezeigt werden, die mit ihnen nicht verbunden sind. Dies bedeutet, dass auch die eigenen Empfehlungen unbekannten Personen angezeigt werden können. Welche Personen das sind, bleibt unklar und kann vom Nutzer nicht beeinflusst werden. Dieses Vorgehen mutet aus Datenschutzgründen etwas fragwürdig an und lässt vermuten, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.

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