SEO: Auf der Suche nach dem optimalen Title Tag

Von Ilga Becker • Donnerstag, 17. November 2011, 17:10 Uhr • Kategorie: SEO

Der Title Tag gehört sicherlich zu den SEO-Grundlagen, die jedem vertraut sein dürften, der sich nur oberflächlich mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung befasst. Dennoch finden sich noch immer überraschend viele weniger optimale Seitentitel, darunter auch auf großen kommerziellen Websites. Wie dieser Whiteboard Friday beweist, gibt es auch innerhalb der SEO-Szene selbst Unklarheiten und Diskussionen darüber, wie der optimale Title Tag aussehen sollte. Wir fassen die Grundlagen noch einmal zusammen und geben Beispiele für gelungene und weniger optimale Seitentitel für verschiedene Anwendungsbereiche.

Die Länge des Title Tags

Als „Best Practice“ wird allgemein eine Länge von bis zu 70 Zeichen angesehen. Der wichtigste Grund hierfür: In den Suchergebnissen zeigt Google im Allgemeinen nicht mehr als 70 Zeichen an, manchmal sogar weniger. Es sind zwar auch Beispiele bekannt, in denen Google bei langen Suchanfragen mehr Zeichen anzeigt, dies ist jedoch eher die Ausnahme und so gelten 70 Zeichen noch immer als Richtlinie.

Dieses Ideal ist nicht unproblematisch: innerhalb der 70 Zeichen müssen Leerzeichen, der Brand sowie individuelle Informationen über die Seite untergebracht werden. Gerade bei langen Produktbezeichnungen in Online Shops oder längeren Artikelüberschriften auf Newsseiten kann der Umfang von 70 Zeichen schnell gesprengt werden. Dramatische Konsequenzen hat das nicht unbedingt, denn Google indexiert etwa 150 Zeichen, in Einzelfällen sogar deutlich mehr. Auch wenn die überzähligen Zeichen in den Suchergebnissen nicht mehr sichtbar sind, gewertet werden sie dennoch.

Was spricht also gegen lange Title Tags? Es ist allgemein bekannt, dass Google den Keywords am Anfang des Seitentitels höhere Bedeutung beimisst. Ein Meta-Title mit einer großen Anzahl an Keywords läuft zum einen Gefahr auf, die Relevanz der einzelnen Keywords zu verwässern. Zum anderen werden Keywords, die an 10., 20. oder 30. Stelle im Seitentitel auftauchen, kaum noch als bedeutsam gewertet. Wer sich mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, weiß, dass die Anzahl an generischen Keywords, auf die sich eine einzelne Seite optimieren lässt, sehr begrenzt ist. Es ist selten sinnvoll, auf mehr als ein oder zwei starke Keywords zu optimieren. Warum also den Seitentitel durch zehn weitere Keywords aufblasen? In diesem Zusammenhang darf der Nutzen übermäßig langer Title Tags zumindest kritisch gesehen werden. Ein Test bei SEOmoz im Zusammenhang des Whiteboard Fridays zeigt, dass die Anreicherung des Seitentitels trafficstarker Seiten mit weiteren Keywords kaum einen Erfolg brachte.

Auch vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung von Social Media sind lange Title Tags schlicht unpraktisch, lassen sich schlecht in 140 Zeichen auf Twitter teilen, sehen spammy aus und werden vermutlich weniger gern geteilt.

Aufbau des Title Tags

Wie oben erläutert, sollte das wichtigste Keyword möglichst zu Anfang des Title Tags erscheinen, da die Position von Suchmaschinen als deutliches Signal gesehen wird. Aus Nutzersicht ist es außerdem ratsam, den Title Tag identisch zur h1-Überschrift zu wählen. In den Suchergebnissen lenkt der Seitentitel genug Aufmerksamkeit auf sich, um eine bestimmte Erwartungshaltung im Nutzer zu wecken. Weicht die Hauptüberschrift massiv vom Seitentitel ab, kann dies im besten Fall zu Unsicherheit, im schlimmsten Fall zum Verlassen der Seite führen. Der Brand der Seite findet sich bei vielen Websites am Ende des Title Tags, und das aus berechtigten Gründen: An dieser Stelle ist er – bei einem Seitentitel unter 70 Zeichen – sichtbar und hilft dem Branding, behindert jedoch nicht die Optimierung des Titles auf die wichtigsten Keywords, die am Anfang platziert werden.

Im Folgenden sollen besondere Anwendungsbeispiele und Lösungsansätze für eine optimale Struktur des Titles aufgezeigt werden.

Den Brand im Title Tag hervorheben: Ist der Branding-Effekt auf einer Website besonders wichtig, zum Beispiel bei einer Unternehmensseite, kann es durchaus sinnvoll sein, den Brand nicht ans Ende zu stellen. Sollte der Seitentitel bei einzelnen Seiten die 70 Zeichen übersteigen, verschwindet der Brand in den Suchergebnissen. Hierbei sind Title Tags in der Art

[Hauptkeyword] bei [Brandname] – [weitere Keywords]

eine gute Lösung. In einem Online-Shop, der großen Wert auf den Brand legt, könnte der Title Tag lauten:

[Produktname] von [Brand] – [Call to Action]

Kurze Brands haben hierbei einen deutlichen Vorteil, da sie wenig Zeichen im Title Tag beanspruchen und mehr Platz für Keywords lassen.

Amazon stellt den Brand nach vorne und setzt auf die Bekanntheit und Vertrauenswürdigkeit der eigenen Marke


Title Tag im Online Shop:
Produktseiten im Online Shop sind eine Art Sonderfall, da sie nicht nur informieren, sondern ihre Besucher gleichzeitig auch zum Kauf animieren sollen. Für eine hohe Klickrate in den unbezahlten Suchergebnissen kann es sich auszahlen, einen kurzen Call To Action im Title Tag unterzubringen. Rabatte oder besondere Angebote können ebenfalls die Klickrate erhöhen, vorausgesetzt die geweckten Erwartungen finden sich tatsächlich auch auf der jeweiligen Landing Page. Der Produktname sollte hierbei an den Anfang des Seitentitels gestellt werden, um sicherzustellen, dass die Suchmaschine ihm die höchste Relevanz beimisst. Der Call to Action wird anschließend vor oder nach dem Brand platziert; zum Beispiel:

[Produktname] – [Call to Action] bei [Brand]

Spielt der Brand keine Rolle, kann er weggelassen werden und es verbleiben entsprechend mehr Zeichen für einen detaillierteren Produktnamen.

fahrrad.de verzichtet auf den Brand im Title und stellt dagegen seine Rabatte heraus


Title Tags bei paginierten Seiten:
Das Thema Paginierung von Websites ist nicht nur aus Duplicate Content Gründen im Seiteninhalt problematisch. Oft weisen alle Seiten eines Artikels, der sich auf mehrere URLs aufteilt, exakt den gleichen Title Tag auf. Das gleiche gilt für die Ergebnisseiten von Produktkategorien in einem Online Shop. Gibt es keine „view all“ Seite, die der Suchmaschine (mit Hilfe des canonical-Tags) als bevorzugte Seite angeboten wird, sollten sich alle paginierten Seiten mindestens durch die Angabe der Seitenzahl voneinander abheben. Weit verbreitet ist die Lösung , die Seitenzahl als Zusatz an den Seitentitel anzuhängen:

[Seitentitel] – Seite X

Die erste Seite erhält diesen Zusatz nicht. Um der ersten Seite die höchste Relevanz zum jeweiligen Thema zu verleihen, kann die Seitenzahl auch an den Anfang des Seitentitels gestellt werden. Bei Artikelseiten bietet es sich auch an, jeder paginierten Seite einen individuellen Seitentitel zu geben, der aus der ersten Subheadline der Seite gebildet wird. Dieses Vorgehen mag größeren Aufwand und die Optimierung der Subheadlines bedeuten, kann sich in der Praxis jedoch auszahlen.

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