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Seitenpaginierung optimieren: SEO vs. Usability

Als Paginierung bezeichnet man die Nummerierung von Seiten, sowohl in Papierpublikationen als auch auf Webseiten. Paginierung ist aus Usability-Gründen wichtig, um keine endlos langen Seiten mit winzigen Scrollbalken zu erhalten, auf denen schwer zu navigieren ist und die lange Ladezeit benötigen (gerade in Zeiten, in denen die Ladezeit zu den wichtigen Ranking-Kriterien zählt ein wichtiger Aspekt).
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 Auch aus SEO-Sicht spielt die Paginierung eine große Rolle: Die Anzahl der Links auf einer Seite sollte laut Google nicht mehr als 100 betragen. Bei großen Kategorien mit einer Vielzahl an Produkten oder Artikeln wird die Anzahl Links insgesamt (Navigation, Footer-Links und externe Links auf der Seite hinzugerechnet) die 100 oft übersteigen.

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Auf der SMX Advanced in Seattle wurde das Thema der paginierten Seiten heiß diskutiert, und auch in verschiedenen Foren findet sich ein reger Meinungsaustausch zum Thema. Noch immer finden sich auch in großen Online-Shops Paginierungslösungen, die aus SEO-Gründen oder aus Usability-Sicht problematisch sind. Grund genug, die verschiedenen Probleme im Zusammenhang mit der Seitenpaginierung näher zu beleuchten und verschiedene Lösungswege aufzuzeigen.

Paginierung und SEO

Aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung ist die Paginierung auf Webseiten ein Punkt, der ein hohes Fehlerpotenzial birgt. Die erste Seite einer Kategorie oder eines Artikels ist in der Regel diejenige, die in den Suchergebnissen ranken soll, also diejenige, die von den Suchmaschinen als stärkste Seite gewertet werden soll, obwohl es noch zahlreiche weitere URLs zum gleichen oder ähnlichen Thema gibt. Auch bergen paginierte Seiten die Gefahr des Duplicate Contents, da sie wenig einzigartige Inhalte aufweisen. Welche Lösungen gibt es für dieses Problem?

Eine Möglichkeit ist, Google alle Seiten indexieren zu lassen, denn es befinden sich unterschiedliche Inhalte auf allen Seiten. Das gilt jedoch nur so lange, wie auf der Seite keine neuen Inhalte erstellt werden, die die Reihenfolge der Paginierung ändern. Ein Beispiel hierfür ist ein Online-Shop, der regelmäßig neue Produkte einpflegt. In diesem Whiteboard Friday Video erklärt Rand Fishkin von SEOmoz sehr anschaulich, wie besonders bei Seiten mit wenigen Artikeln oder Produkten die Inhalte der ersten Seite schnell zu Inhalten der zweiten Seite werden können. Für die Suchmaschinen bedeutet dies, dass die Inhalte von Seite 1 und Seite 2 fast identisch aussehen – ein klassisches Duplicate Content Problem.

Alternativ können alle paginierten Seiten auf „noindex“ gesetzt werden. Sinn ist es aus Suchmaschinensicht, alle Seiten zu indexieren und zu bewerten, es kann jedoch manchmal sinnvoll sein, Seiten von der Indexierung auszuschließen. Diese Strategie kann zum Beispiel angewandt werden, wenn die weiteren Seiten als Zielseiten ungeeignet scheinen. Zum Beispiel wird ein Nutzer, der über Google kommt und nicht am Anfang eines Artikels landet, möglicherweise die Seite verlassen. Mit einem entsprechenden Design und einem deutlichen Link zu Seite 1 können Nutzer, die auf der zweiten Seite landen, jedoch recht unproblematisch auf den Anfang des Artikels verwiesen werden. Ein weiterer Grund für „noindex“ ist der geringe Anteil an Unique Content auf den paginierten Seiten, der Suchmaschinen dazu bringen kann, Seiten als gering einzustufen.

Rel=Canonical“ sollte grundsätzlich nicht für die Paginierung genutzt werden. Der Canonical-Tag wurde eingeführt, um die bevorzugte Version identischer Seiten anzuzeigen und das Duplicate Content Problem zu beheben. Die Zielseite, auf die der Canonical-Tag verweist, sollte den Inhalt der Quellseite beinhalten. Paginierungsseiten sind jedoch nicht identisch: Wenn sie auch Artikel oder Produkte zu einem bestimmten Thema listen, der Inhalt ist nicht identisch.

Auch „nofollow“ ist keine gute Wahl für die Paginierung. Die weiteren Seiten enthalten schließlich Links zu Produkten oder Artikeln, die indexiert werden sollen, deswegen sollte die Suchmaschine keinesfalls davon abgehalten werden, sie zu crawlen. Zudem kann „nofollow“ schon seit einiger Zeit nicht mehr zum Pagerank Sculpting verwendet werden, da nofollow-Links zwar nicht verfolgt, jedoch trotzdem zur Gesamtzahl an Links gezählt werden. Sie vererben zwar keinen Pagerank, die dofollow-Links bekommen aber dennoch nicht mehr Linkjuice. Nofollow-Links werden deswegen manchmal auch als verschenkte Links bezeichnet. Im Gegensatz dazu ist „noindex, follow“ durchaus sinnvoll. Folgt die Suchmaschine den Links zu noindex-Seiten vererben diese Links PageRank und können diesen wiederum an andere Seiten (Artikel- oder Produktseiten) weitervererben.

Ein weiteres SEO-Problem, das sich durch die Paginierung ergibt, ist die Klicktiefe: abhängig von der Art der Paginierung sind die wichtigen Inhalte einige Klicks von den Einstiegsseiten der Suchmaschine (meist der Startseite) entfernt. Grundsätzlich gilt: je tiefer eine Unterseite in der Seite liegt, desto weniger Gewicht erhält sie von der Suchmaschine. Ab einer bestimmten Klicktiefe indexieren Suchmaschinen Seiten nicht mehr, da ihr Wert als zu gering eingeschätzt wird, wenn sie derart tief in der Seitenstruktur „versteckt“ liegen. Sind auf diesen Seiten Produkte oder Artikel verlinkt, werden diese nicht erfasst.

Eine Paginierung sollte also sicherstellen, dass alle Seiten mit möglichst wenig Klicks erreichbar sind, damit die darunter liegenden Artikel oder Produkte in den Index aufgenommen werden. Es sollten daher so viele paginierte Links wie möglich angezeigt werden, soweit dies mit der Usability vereinbar ist. Auch wenn aus Nutzersicht die Anzeige der letzten sowie der mittleren Seiten bei einer großen Anzahl an Ergebnissen wenig Sinn macht, ist es aus SEO-Sicht dennoch wichtig, um eine optimale Indexierung zu ermöglichen. Ein Kompromiss ist zum Beispiel, die ersten und letzten fünf Seiten anzuzeigen sowie zusätzlich die mittleren fünf Seiten zu verlinken.

Um die Anzahl paginierter Seiten möglichst gering zu halten, sollten nicht zu wenige Ergebnisse pro Seite angezeigt werden. Außerdem empfiehlt es sich, spezifische Unterkategorien zu erstellen, in die die Ergebnisse einsortiert werden. Hier kann zum Beispiel auf spezielle Keywords optimiert werden. Neue Inhalte sollten optimalerweise per default oben stehen, um möglichst viel Linkjuice zu bekommen. Alle Seiten sollten die erste Seite verlinken, um der Suchmaschine die hohe Relevanz dieser Seite anzuzeigen. Auch Querverlinkungen zu relevanten anderen Kategorien (in denen die erste Seite der jeweiligen Kategorie verlinkt wird) können hilfreich sein.

Die Auswahl der Anzahl angezeigter Ergebnisse für Benutzer ist aus Usability-Sicht eine gute Idee,  kann jedoch ein Duplicate Content Problem erzeugen. Durch JavaScript oder AJAX kann sichergestellt werden, dass die Seite erneut geladen wird, ohne dass eine neue URL erzeugt wird. Google sieht dabei die default-Anzahl an Ergebnissen.

Um dem Duplicate Content Problem paginierter Seiten entgegenzuwirken, spielen auch einzigartige Seitentitel und Meta-Descriptions eine wichtige Rolle. Oft werden diese automatisch erzeugt und so erhalten alle paginierten Seiten einer Kategorie identische Seitentitel und Descriptions. Werden hier einzigartige Elemente ergänzt, ist das Problem behoben. In den Seitentitel kann zum Beispiel die Angabe „Seite 2“ übernommen werden. Wird diese an den Anfang gestellt, kann zusätzlich beeinflusst werden, dass die erste Seite (bei der diese Angabe fehlt und das relevante Keyword am Anfang des Titels steht) eine größere Relevanz bekommt.

Für Artikel, die sich auf mehrere URLs verteilen, bietet sich auch eine andere Strategie an, die ein Nutzer im Webmasterworld Forum ausführlich beschreibt: die erste Seite des Artikels erhält eine einzigartige Description. Seitentitel und h1 sind die Headline des Artikels. Alle weiteren Seiten erhalten individuelle Seitentitel und h1-Überschriften, die aus der ersten Subheadline auf der jeweiligen Seite gebildet werden. Die Haupt-Überschrift wird auf jeder Seite aus Usability-Gründen in kleinerer, nicht als Überschrift formatierter Schrift ausgegeben. Für jede Seite wird außerdem manuell eine individuelle Meta-Description des jeweiligen Inhalts erstellt. In der Pagination werden alle Seiten unter dem Text verlinkt. Außerdem wird der nächste Teil über seine Headline verlinkt. Für die verlinkten Zahlen wird die Headline als title-Attribut ausgegeben. Die URLs basieren auf dem Artikeltitel, um die Zugehörigkeit der paginierten Seiten zum Hauptartikel anzuzeigen. Im Head-Teil der Seite wird außerdem jeweils mit rel=“prev“ und rel=“next“ die vorherige bzw. nächste Seite angegeben. In der Paginierung wird außerdem die jeweils aktive Seite hervorgehoben, um auch Usability-Kriterien gerecht zu werden.

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Paginierung und Usability

Aus Usability-Sicht empfehlen sich verschiedene Richtlinien für Paginierungen, um das Navigieren innerhalb von Ergebnislisten oder zwischen einzelnen Seiten eines Artikels so nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten.

Der Verzicht auf Paginierung und die Implementierung von Endlos Scrollen erspart Nutzern das Klicken zwischen mehreren Seiten und das Zurechtfinden in einer möglicherweise verwirrenden Navigation. Andererseits können lange Seiten, die mehrmals nachgeladen werden schnell unübersichtlich und unstrukturiert wirken. Auch die Benutzung einer Seite, auf der automatisch Elemente nachgeladen werden, kann für User ungewohnt wirken. Wichtig ist bei dieser Variante auf jeden Fall, dem Nutzer durch Links zum Seitenanfang zu ermöglichen an den Anfang des Dokuments zu springen.

Wir eine Paginierung verwendet, sollten die Zahlen gut klickbar sein. Eine gute Lösung sind hier klickbare Flächen, die deutlich durch eine andere Farbe oder eine Umrandung gekennzeichnet sind. Einstellige Zahlen bieten eine verhältnismäßig kleine Klickfläche und sind daher unkomfortabel zu bedienen. Die aktuell ausgewählte Seite sollte immer deutlich gekennzeichnet sein und sich von den anderen unterscheiden. Meist wird hier eine unterschiedliche Schriftfarbe oder eine andersfarbige Klickfläche verwendet. Seitenzahlen sollten – obwohl es Links sind – nicht unterstrichen werden. Das wirkt meist unruhig und ist für die Usability der Paginierung nicht förderlich, denn die Auflistung der Seitenzahlen zeigt ohnehin schon an, dass hier geklickt werden kann.

Hilfreich sind außerdem „weiter“ und „zurückSchaltflächen, die dem Nutzer die Navigation erleichtern. Auch die Anzeige der ersten Seite auf jeder einzelnen Seite ist sinnvoll. Ob auf jeder Seite auch die letzte Seite angezeigt werden soll, ist von der Nutzergruppe und der Art der Seiten ab. Grundsätzlich zeigen Studien, dass Nutzer selten die letzten Seiten beachten. Der Algorithmus einer Suche sollte normalerweise so aufgebaut sein, dass die relevantesten Ergebnisse angezeigt werden. Es ist daher fraglich, wie viel Wert Seite 10, 11 oder 99 für einen Nutzer tatsächlich bietet. Bei einer Ergebnisliste, die nach Relevanz sortiert ist, wird die letzte Seite vermutlich selten interessante Inhalte bieten. Werden Inhalte dagegen chronologisch sortiert oder Artikel in einer Kategorie eines Shops gelistet, werden Nutzer manchmal auch die letzte Seite besuchen wollen.

Langen Ergebnislisten kann entgegengewirkt werden, indem – wie oben empfohlen – die Artikel in weitere Unterkategorien eingeordnet werden. Dies ist jedoch aus Nutzersicht nur dann sinnvoll, wenn dieser tatsächlich weiß, in welcher Unterkategorie sich das Gesuchte befindet. Auch sollte Nutzern die Option gegeben werden, auszuwählen, wie viele Ergebnisse angezeigt werden sollen. Eine weitere Möglichkeit sind Filter, mit denen die Ergebnisse weiter eingeschränkt werden können. In diesem Fall stellen sich die Fragen: welche Reihenfolge wird standardmäßig ausgegeben? Ist die Reihenfolge der Anzeige sowohl absteigend als auch aufsteigend sinnvoll?

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Fazit: die optimale Paginierung

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass es beim Thema Seitenpaginierung einige Richtlinien gibt, die beachtet werden sollten, um sowohl für Nutzer als auch für Suchmaschinen eine optimale Basis zu schaffen, Artikel und Produkte gut zu erreichen. In einigen Punkten zählt jedoch vor allem die eigene Erfahrung. Auch wenn Optimierungsmaßnahmen immer in erster Linie mit Blick den Nutzer vorgenommen werden sollten, ist es manchmal unerlässlich, aus SEO-Gründen Kompromisse einzugehen und einen Mittelweg zwischen Usability und SEO zu gehen.

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